Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


goetterdessteems:posts:teil4:start

Teil 4: Nyphylia

Artikel: https://steemit.com/deutsch/@getdigital/goetter-des-steems-4-nyphylia

Nyphylia war eine Schöpfung von Zeit und Raum. Geschaffen um die Ordnung des Universums zu bewahren, diente sie dem Universum bereits seit Äonen treu und bedingungslos. Sie war mit Abstand die beeindruckendste Erscheinung im Steem. Während die meisten Götter ihre Blockkette um die Hüfte trugen, ließ sich Raum bei ihrer Erschaffung etwas besonderes einfallen. Raum formte ihre Blockkette zum Skelett zweier majestätischer Flügel, die mit einem lichtdurchlässigem, dunklen Stoff namens Seranth bespannt wurden. Seranth war ein seltenes Gut im Steem. Es entstand bei der Vernichtung von Existenz durch das Nichts und war äußerst flüchtig. Doch gelang es Raum und Zeit, Seranth Filamente nutzbar zu machen. Bekannt dafür, den universellen Gesetzen zu trotzen, machte dieser Stoff Nyphylias Flügel gewichtslos und gab ihr sogar die Fähigkeit ohne Flügelschlag zu schweben. Bei den Göttern rief Seranth Ehrfurcht hervor. Denn es symbolisierte die Vergänglichkeit allen Seins. Daher nannte man diesen Stoff auch das „Leichentuch des Universums“.

Nyphylias sanftmütiges Auftreten, die edele Gewandung und ihr langes weisses Haar, vermittelte den Eindruck der Verletzlichkeit. Doch damit verschleierte sie lediglich ihre wahre Natur. Die Zeit lehrte sie, dass das Universum zeitweilig unbarmherzig und undankbar sein konnte. Und auch wenn der Zorn des Universums sie noch nie traf, wollte sie sich dieser Willkür nicht ohne Weiteres unterwerfen müssen. Im Gegensatz zu den anderen Götter, verspürte sie dem Universum gegenüber keine uneingeschränkte Loyalität. Ganz im Gegenteil. Sie fühlte sich eher ausgenutzt. Jahrtausend um Jahrtausend ordnete und verankerte sie neue Gedanken für das Universum. Doch die anfängliche Dankbarkeit für ihre Dienste ließ mit der Zeit zu wünschen übrig. Das Universum sah die göttliche Arbeit als selbstverständlich und die Bedürfnisse der Götter als zweitrangig an. Geleistete Arbeit wurde nicht mehr honoriert. Dennoch waren die zwanzig anderen Zeugen bereit, sich den Regeln des Universums vorbehaltlos zu unterwerfen.

Mit der Bestrafung von Oreus und der Aufhebung seiner Macht fühlte sich Nyphylia einmal mehr vom Universum bedroht. Denn das Universum legte das Schicksal der Götter in die Hände der Steemianer und nahm ihnen im gleichen Atemzug jede Möglichkeit dieses Schicksal zu beeinflussen. Wodurch hatten sich die Steemianer dieses Privileg verdient? Waren sie es doch, die das Gleichgewicht des Universums mit ihrer Existenz störten. Und nur die Götter waren in der Lage, es wieder herzustellen. Nyphylia hegte jedoch keinen Gräuel gegen die Steemianer. Ganz im Gegenteil. Jahrzehnte der Erforschung des Steemwaldes ließen ihr die Steemianer ans Herz wachsen. Doch das Universum musste ein für allemal lernen, dass es die Götter genauso zu achten hatte, wie es von ihnen verlangte, geachtet zu werden. Doch hierfür musste sie erst ihre Macht festigen.

Erste Versuche, mit der Blockkette die Bewohner des Steemwaldes zu verführen, waren enttäuschend. Während instinktive Kreaturen, wie Ratten oder Riesenechsen, ihr blind gehorchten, konnten sie ihr nicht das liefern, wonach es ihr dürstete. Nämlich neue Gedanken und Ideen. Und jene Steemianer, die in der Lage waren, sie mit der nötigen geistigen Reife zu versorgen, waren leider resistent gegen ihren Einfluss. Doch gab es eine Möglichkeit, den Widerstand dieser Steemianer zu brechen. Ihren Nachforschungen nach war es sehr viel leichter einen berauschten Steemianer zu kontrollieren, als einem nüchternen. Dies funktionierte sogar, oder vor allem, bei der steemianischen Elite an der Steemwalder Universität. Nyphylia musste also dafür sorgen, dass die Bewohner des Steemwaldes einmal richtig hacke waren, bevor sie sie bekehren konnte. Da eine direkte Einflussnahme ihrerseits verboten war, benötigte sie für die kommende Aufgabe Hilfe aus der Welt der Sterblichen.

Nyphylia kannte sich nach so vielen Jahrtausenden bestens im Steemwald aus. Und genauso waren ihr die meisten Kreaturen des Waldes bekannt. Eine Art hatte es ihr ganz besonders angetan. Die Steindrachen der Abelus Ebene. Mit einem Durchschnittsalter von zweitausend Jahren und einem ruhigen Gemüht, waren sie Nyphylias liebsten Kreaturen. Steindrachen waren keine Seltenheit. Sie zu erblicken jedoch schon. Denn die meiste Zeit lagen sie nur faul im Wald rum. Der einzige Grund, wieso es sich zu bewegen lohnte, war die Hitze, wenn die Moosdecke auf dem Rücken zu dick wurde. Daher drehten sich einige Drachen in einem Jahr vom Bauch auf den Rücken, um im darauffolgenden Jahr sich wieder zurück zu rollen. Steindrachen waren, und das musste sogar Nyphylia zugeben, die dümmsten Lebewesen des Steemwaldes. Doch gerade diese Eigenschaft machte sie so interessant für die mächtige Göttin. Sie waren leicht zu kontrollieren, besaßen zwei Hände und Beine und waren nahezu unverwüstlich, sowie extrem stark. Flügel verzierten den Rücken der kleinen Drachen. Doch hatte bisher noch niemand einen fliegenden Steindrachen erblickt. Vermutlich waren sie einfach nur zu faul, denn eine Hummel vermochte ja auch zu fliegen.

Unter Nyphylias Einfluss wurde die Abelus Ebene innerhalb kürzester Zeit zu einem der belebtesten Orte des Steemwaldes. Katteker sammelten die erlesensten Kräuter und Beeren des Waldes. Biber fällten Bäume und leiteten einen Teil des Flusses Bethor in die Nähe der Abelus Ebene. Steindrachen suchten in den zahlreichen Höhlen des Adriels, einem an der Abelus Ebene angrenzenden Berges, nach Eisenvorkommen. Bienenvölker ließen sich zur gleichen Zeit im porösen Gestein des Adriels nieder. Nachdem alles Nötige herangeschafft war, wies Nyphylia die Drachen an, mit ihrer eigentlichen Aufgabe zu beginnen. Der Herstellung von Divina Ebrietas, einem Trank der den Steemianer etliche schöne Stunden und Nyphylia ein Quäntchen mehr Kontrolle verschaffen sollte. Aus den gefällten Bäumen wurden Planken. Aus Eisen wurden Metallreifen. Diese vereinten die Steindrachen zu wundervoll verzierte Holzfässer, in denen alle Zutaten innerhalb einiger Monate zu einem wahrhaft wohltuenden Getränk heran reiften.

Nachdem ein ausreichend großer Vorrat an Divina Ebrietas in den Höhlen des Adriels vorhanden waren, wies Nyphylia ihre Schergen an, einige der Fässer unter die Steemianer zu bringen. Mühsam rollten die Drachen des Nachts das edele Gesöff durch den Steemwald, stellten die Fässer in den nyphylianischen Tempel ab und entfernten den Deckel, auf dass sich die wohltuenden Dämpfe ausbreiten konnten.

Tempel befanden sich häufig nahe der Handelsrouten des Steemwaldes. Bereits am nächsten Morgen waren die Tempel der Nyphylia besser besucht, als in den letzten vier Jahren. Angezogen vom herrlichen Duft des süß duftenden Getränks, unterbrachen Händler und Reisende ihre Weg, um ihrer Nase zu folgen. In den Tempel angekommen erblickten sie singende und lachende Steemianer, die sich um ein Fass versammelten. Nyphylias Plan, angeheiterte Steemianer dazu zu bringen, andere für den nyphylianischen Glauben zu gewinnen, wurde auf einmal unnötig. Die Nachricht über Divina Ebrietas sprach sich so schnell rum, dass von Tag zu Tag mehr Steemianer sich in den Tempel einfanden. Doch nicht zum beten, sondern zum Feiern. Bereits nach kürzester Zeit waren die Fässer geleert und die Drachen mussten neue heranrollen. Aus den sonst wöchentlichen Besuchen an den nyphylianischen Tempel, wurden rasch tägliche Gelage zu ihren Ehren. Steemianer anderer göttlicher Überzeugung vernachlässigten ihre Gebete um sich dem bunten Treiben anzuschließen. Und mit jedem feiernden Steemianer wuchs Nyphylias Macht und Vitalität.

Unter den Göttern wuchs die Unruhe. Täglich mussten sie mit ansehen, wie ihnen die Gedanken ihrer Anhänger abhanden kamen. Der Grund hierfür war ihnen natürlich klar. Doch mussten sie dies akzeptieren, da ein Einfluss Nyphylias ausgeschlossen war. Ihrem Wissen nach, hätte sie für solch einen Einfluss nach Steemwald reisen müssen. Und dieser Gesetzesbruch wäre dem Universum aufgefallen. Da Nyphylia stets als gesetzestreu galt, vermutete man daher eine unglückliche Verkettung von Umständen, die zur Entstehung dieses teuflischen Getränks führte. Als fast die Hälfte der Steemianer dem nyphylianischen Glauben angehörten, entstand eine große Unruhe im Steemwald. Nyphylia musste feststellen, dass viele der sonst so positiven Gedanken, die ihr gewidmet waren, sich in Klagen verwandelten. Bei einer genauen Betrachtung der Welt der Sterblichen, musste sie feststellen, dass das Divina Ebrietas aus den Tempel entwendet worden war. Verzweifelt baten ihre Steemianer sie um mehr flüssiges Gold an. Schnellstens ließ Nyphylia neue Fässer von ihren steinernen Freunden heran schaffen. Doch am nächsten Tag waren die Fässer erneut verschwunden. Um dem Diebstahl auf den Grund zu gehen, ließ Nyphylia Bienen ausschwärmen. Die kleinen Brummer mussten nicht lange suchen. Denn auch sie genehmigten sich des öfteren einen kleinen Tropfen, und vermochten daher das göttliche Erzeugnis auf Kilometer riechen. Der Geruch wurde besonders intensiv in der Nähe von Lateus Tempel. In Katakomben unterhalb der Tempel füllte eine kleine Gruppe Menschen, die auch nicht zu den klügsten Steemwald Bewohnern gehörten, den göttlichen Trank in andere Fässer um, die sie anschließend den Lateus Anhänger darreichten. Dies konnte nur eines bedeuten.

Lateus wusste um Nyphylias Geheimnis …

goetterdessteems/posts/teil4/start.txt · Zuletzt geändert: 2018/07/23 15:00 von getdigital